„Wir Haben Es Satt“ : Rückblick auf ein buntes Demo- Wochenende in Berlin

Am 16. Januar 2016 fand bereits zum 6. Mal parallel zum Auftakt der Messe „Internationale Grüne Woche“ die „Wir Haben Es Satt Demo“ gegen Agrarindustrie und Massentierhaltung statt. Slow Food Youth Deutschland war natürlich mittendrin und hatte mit einigen Partnerorganisationen ein buntes, inhaltsreiches Wochenendprogramm vom 15.-17. Januar auf die Beine gestellt, das ganz im Zeichen eines guten, sauberen und fairen Lebensmittelsystems stand!

Nachdem insgesamt 18 Höfe aus dem Berlin-Brandenburger Umland zu unserer großen Freude mehr als 2 Tonnen knubbeliges und krummes Gemüse gespendet hatten, konnte das Demo -Wochenende am Freitagabend mit dem 5. Geburtstag der Schnippeldisko im Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin einen fulminanten Auftakt nehmen!

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Mit warmen Beats von DJ Romino Power, Caballero de Algomas und Decent der Green Music Initiative wurde das Gemüse fleißig gewaschen, geschnippelt um danach in einen „ zauberhaften Suppen- Trank“ von der Fläming Kitchen verwandelt zu werden. Die von den Berliner Bio-Bäckern gespendeten 5000 „Soli-Stullen“ ereilte ein ähnliches Schicksal- sie wurden ordentlich mit Vegan-Margarine und Butter aus der Upländer Bauernmolkerei beschmiert, um am nächsten Tag bei der Demo verteilt zu werden und gleichzeitig auf die katastrophale Situation vieler Milchbauern im Zuge des Preisverfalls für Milch aufmerksam zu machen.

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Im Keller des ZKU konnten die Teilnehmer mehr über Landraub, Lebensmittelverschwendung, Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft, Ernährungsräte, Solidarität mit Geflüchteten und die Krise in der Milchwirtschaft erfahren. Referenten vom INKOTA-Netzwerk, Aktion Agrar, Slow Food Youth, Bündnis junge Landwirtschaft und einige mehr standen den Gästen zu den Problemen des globalen Agrar-und Lebensmittelsystems Rede und Antwort.

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Ein großes Dankeschön gilt allen Helfern und Gästen sowie den Gemüsespendern aus Brandenburg und Berlin, die uns ihr zum Teil nicht-marktfähiges Gemüse (zu groß / zu unförmig / zu speziell) überlassen haben. Ihr alle habt diesen spektakulären Abend erst ermöglicht! Das Essen aus all dem Gemüse, das sonst auf dem Abfall gelandet wäre, nur weil es nicht „richtig“ gewachsen ist, war wieder köstlich!

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Natürlich ist von den vielen Litern Protest-Suppe nach der Schnippeldisko und der Demo am nächsten Tag erwartungsgemäß nicht ein Tropfen übrig geblieben. Denn schließlich verputzten die viele tausend DemonstrantInnen und die FahrerInnen der 130 Traktoren (130!!!), die aus ganz Deutschland angerollt waren, so manchen Teller beim gemeinsamen Aufwärmen.

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Im Gebäude der Heinrich Böll- Stiftung konnten junge Bauern, LebensmittelhandwerkerInnen und AktivistInnen nachmittags am World- Café zu Thema „Acker im Umbruch – kulinarischer Kampf im Kochtopf“ teilnehmen. Es gab drei Tische- einen vom Bündnis Junge Landwirtschat, einen der jungen Abl und einen Tisch von und mit Slow Food Youth Deutschland, wo man sich in jeweils offener Runde über die Zukunft unseres Ernährungsystems austauschen und diskutieren konnte . „ Junge bäuerliche Landwirtschaft – wie schaffen wir Perspektiven?“, „UN-Rechte zur Rettung bäuerlicher Landwirtschaft?“ und „Wie teuer soll ein gutes Lebensmittel sein?“ waren die spannenden und herausfordernden Fragen des World-Cafés.

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Abends stürmte das Slow Food Youth Netzwerk dann die Küche der „Culinary Misfits“ in Berlin-Kreuzberg um in gemütlich-geselliger Atmosphäre gemeinsam zu kochen und das entstandene „Festessen“ zu genießen. Das war genau das Richtige nach diesem Tag mit all seinen politischen Inputs, Diskussionen und Emotionen! Wir haben uns sehr gefreut, dass auch einige Slow Food Youth- Freunde aus den Niederlanden, England und Frankreich dabei waren!

Am Sonntagvormittag war keineswegs schon Schluss- die Markthalle Neun öffnete ihre Türen für die Veranstaltung „Brotzeit- Werkstatte-Markt-Debatte. Vom Säen bis zum Backen-welche Zukunft braucht das Bäckerhandwerk?“ Vom Saatgut über den Teig bis zum fertigen Brot wurde hier ein ganzheitlicher Blick auf das Bäckerhandwerk geworfen. Die Slow Food Youth-Gruppe aus Berlin begeisterte dabei kleine und große Besucher mit drei Workshops, bei denen sich alles um schmackhafte Rezepte aus altem Brot drehte: Man konnte lernen wie man leckere Brot-Chips, Knödel und Brotsalat ganz einfach zu Hause selbst herstellt!

Insgesamt hat das Demo-Wochenende dem Slow Food Youth Netzwerk viel Energie für das Jahr 2016 gegeben!! Wir werden die Agrarwende bundesweit weiter in die Kochtöpfe bringen und unserem Motto treu bleiben : Denken, Schmecken, Welt bewegen!