Wild, wilder, Wales

Einblicke in Umweltaktivismus und biologisch-solidarisches Landwirtschaften – Lena Braun (Slow Food Youth) berichtet.

Anfang des Jahres verschlug es mich für drei Monate in den westlichsten Westen Wales. Als Agri-Aktivistin sollte ich hier zum einen den Alltag auf dem biologischen Bauernhof Caerhys kennenlernen und zum anderen Erfahrungen im Durchführen von Umweltkampagnen machen.

Ursprünglich hatte ich mich auf das Projekt beworben, um zu begreifen, wie Lebensmittel entstehen – wie viel Arbeit im Gemüse von der Aufzucht der Saat, über die Pflege der Pflanze bis zur Ernte des fertigen Gemüses steckt. Die Hälfte meiner Zeit war ich eine reguläre Wooferin, arbeitete also auf dem Feld oder im Folienzelt (eine Art Gewächshaus) und verbrachte dabei einige Stunden mit Unkrautjäten bei fantastischer Aussicht aufs Meer!

Das Besondere an diesem Bauernhof ist, dass er als erster in Wales nach den Prinzipien der Soli­darischen Landwirtschaft wirtschaftete. Das bedeutet, dass Menschen in der Umgebung durch einen festen monatlichen Geldbetrag Mitglieder der SoLaWi werden können und im Gegenzug wöchentlich eine Gemüsekiste mit dem hofeigenen Gemüse erhalten. Durch die festen Mitgliedsbeiträge sinkt das finanzielle Risiko des Landwirts oder der Landwirtin, der somit auch bei Einbußen durch nicht zu kalkulierende Umwelteinflüsse und damit geringer ausfallender Ernte abgesichert ist. Gleichzeitig macht es die Konsumenten und Konsumentinnen zu „Mitproduzenten“´und „Mitproduzentinnen“, die wöchentlich gute, saubere und faire Lebensmittel beziehen!

Das zweite Anliegen des Agri-Activism Projekts ist es, eine Kampagne für eine pestizidfreie Landwirtschaft umzusetzen. Zur Seite steht hier der Seniorlandwirt des Hofs und langjähriger Umweltaktivist Gerald Miles. Zusammen mit ihm und einer weiteren Freiwilligen recherchierten und diskutierten wir Vor- und Nachteile des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, wie man es ersetzen könnte und folgten aktuellen Entwicklungen rund um die Chemikalie. Falls ihr euch genauer ansehen wollt, welche Kampagne wir ins Leben gerufen haben, schaut euch gerne den Blog des Projekts an.

Insgesamt war es eine sehr lohnenswerte Zeit. Durch die wortwörtliche Arbeit im Feld, konnte ich sehen, wie die SoLaWi als Alternative zur konventionellen Erzeugung von Lebensmitteln funktioniert. Mir wurde deutlich wie sie dabei Verbraucher und Verbraucherinnen und Produzent und Produzentinnen viel näher zu einander und in Berührung mit der Herkunft ihrer Nahrung bringt. Gleichzeitig erlaubt das Projekt, sich intensiv mit einer konkreten Problematik der Lebensmittelindustrie auseinanderzusetzen und zu lernen, eine eigene Kampagne zu gestalten.