Mecklenburger Acker vorm Brandenburger Tor

Zum Auftakt der heißen Phase der europäischen Bürgerinitiative People4Soil (P4S) versammelten sich Umweltaktivisten am Montag, den 04.09, zu einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor. Die Manifestation bildete den nationalen Abschluss für das Volksbegehren, das sich für ein europäisches Gesetz zum Schutz der Böden einsetzt. Die Kampagne der Bürgerinitiative startete im September letzten Jahres und wird zum 12.09.2017 abgeschlossen. Ziel der Bürgerinitiative ist es, die EU aufzufordern, endlich ein europäisches Bodenschutzgesetz zu verabschieden. Slow Food Deutschland e. V. und Slow Food Youth sind Teil dieses starken europäischen Netzwerkes dem über 300 europäische NGOs, Forschungsinstitute, Bauernverbände und Umweltschutzgruppen angehören.


Das Brandenburger Tor hat schon viel erlebt und gesehen, aber ein Acker im Herzen der Hauptstadt war etwas Neues. Unter dem Motto der Demo „Soil in the City“ prägte das Künstlerkollektiv Decrustate um Anneli Ketterer mit einer imposanten Performance die Protestkundgebung. Die Umsetzung des Ziels, Boden auf Händen zu tragen und zur erweiterten Betrachtung auf Augenhöhe zu bringen, gelang mit einer 5×5 Meter großen konservierten originalen Ackeroberfläche mit Treckerspuren aus Mecklenburg-Vorpommern. Um den Berlinern, den zahlreichen Touristen, der Stadt und dem Land zu zeigen, dass unser Boden dringend geschützt werden muss, wurde das Boden-Objekt in einer Performance ausgerollt, auf Händen getragen und schließlich an einem Kran als 25 Quadratmeter große Bodeninstallation in die Verti-kale gezogen. Damit wurde sehr gut zum Ausdruck gebracht, dass wir dabei sind, im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter unseren Füßen wegzuziehen. Um das zu stoppen muss die „Mutter Erde“ viel mehr in unser Blickfeld rücken, denn: Jedes Jahr werden über 1.000 km2 fruchtbarer Boden in Europa versiegelt, was der Fläche einer Stadt wie Berlin entspricht. Schätzungsweise sind 20 bis 25 Prozent aller Böden weltweit bereits degradiert und haben ihre Funktionsfähigkeit verloren (Bodenatlas, 2015). Ein Zentimeter fruchtbarer Boden braucht allerdings zwischen 200 und 2000 Jahre zum Entstehen.
Bis in die Abendstunden informierten Aktivisten des Slow Food Youth Netzwerks über die Ziele des Bürgerbegehrens und sammelten noch erfolgreich viele Unterschriften für die Petition. Passanten konnten zusätzlich spielerisch entdecken, wie viel Ackerfläche man für ein Käsebrot oder ein Schnitzel benötigt und was sie selbst zum Bodenschutz beitragen können.

Jeder Bürger kann die Petition noch bis zum Kampagnenende unterstützen. Dazu meinte Bernward Geier auf der Demo noch: „Erfahrungsgemäß unterschreiben in den letzten Tagen noch viele Menschen. Mit der Demo und der spektakulären Kunstaktion wollen wir dieses Potenzial nutzen, um die noch fehlenden 30.000 Unterschriften für das vorgeschriebene Quorum in Deutschlandzusammen zu bekommen.“