Eat Local Challenge: Klimawandel mit Gabel und Messer bekämpfen

Drei Wochen lang haben Slow Food Aktivist*innen weltweit versucht, nur mit Lebensmitteln aus einem Umkreis von 300km und mit Fleisch aus Freilandhaltung zu kochen. Dabei haben sie so weit es ging direkt bei Bauern aus der Region eingekauft. Die Idee dahinter? Dass jedem von uns bewusst wird, wo unser Essen herkommt und was man alles leckeres mit regionalen Zutaten zubereiten kann. Unser Ziel? Den Klimawandel mit Gabel und Messer zu bekämpfen und eine bessere Zukunft für uns alle zu kochen! Anna und Sebastian haben mitgemacht und berichten über ihre Erfahrung. (Bild: Lea von SFY Köln mit einer Herkuleskeule Zucchini)

Anna

Eat Local Challenge. Drei Wochen lang nur regionale Produkte und wenig Fleisch essen. Als ich beschloss mitzumachen, dachte ich, es sei einfach. Gemüse und Obst kaufe ich eh meistens saisonal und dadurch meist regional, viele Milchprodukte werden in einer Molkerei im Nachbarort produziert und Fleisch landet nur selten auf dem Teller. Beim anschließenden Überlegen, wie es denn mit den restlichen Lebensmitteln aussieht, wurde es schwieriger. Brot wird dann mit regionalem Mehl selbst gebacken, Reis und Bananen gibt es eben gar nicht. Auf Genussmittel wie Kaffee, Schokolade und auch Gewürze müsste verzichtet werden. Ich habe hierbei für mich den Kompromiss gemacht, meine vorhandenen Sachen weiterhin zu verwenden. Auch Nudeln habe ich nicht innerhalb der 300 km bekommen und mich dann mit Dinkelnudeln aus Süddeutschland zufriedengegeben. Rückblickend habe ich die eat local challenge nicht konsequent durchgezogen. Mir hat es aber den Blick geöffnet zu sehen, was doch alles nicht aus der Region ist und bei welchen Produkten ich eine regionale Wahl habe.

Norddeutschland und die Ostsee auf dem Teller: Anna deckt den Tisch für die Eat Local Challenge mit lokalen Leckereien von Produzent*innen aus der Nähe von Kiel und Kürbis aus dem Garten ihrer Eltern.
Topinambur und Kartoffel mit gerösteten Zwiebeln und selbst-fermentiertem Fenchel. Das Gemüse stammt aus einem Laden, der nur regionales Gemüse vermarktet.

Sebastian

Es war für mich eine sehr interessante Erfahrung. Ständig musste man darauf achten, was man essen darf und was nicht. Die Sicht für Lebensmittel wurde geschärft. Ich hatte einen 50 km Radius gemacht, das meiste habe ich jedoch aus dem eigenen Garten + 10km gegessen. Bis auf  Salz, Öl und an manchen Tagen ein Kaffee konnte es gut gemacht werden. 😉 .
Zur weiteren Info hab ich es bis auf Honig Vegan gemacht. Interssant fand ich auch das die Leute die mich beobachteten, erkennen durften was Regional wirklich heißen kann 🙂 . Insgeamt würde ich es wieder machen. Vielleicht einmal im März (Lagergemüse) und dann einmal im August (viel vor Ort).
Ein eigener Garten hilft, wenn man sich lokal ernähren möchte: hier ein Gartengemüse-Eintopf
Lokal sind auch die Pilze, die man im Wald sammeln kann, hier zusammen mit selbstgemachten Dinkel-Pastas.
Brot kann man auch selbst backen (hier Links als Croûtons)  und Nudeln auch selbst herstellen (Mitte). Wenn es nicht geht, gibt es vielleicht Höfe in der Nähe, die Pastas aus eigenen Getreidesorten machen (ganz recht)!

Die Erfahrung von Romy könnt ihr auch auf dem Blog „Die Armen Ritter“ lesen.

 

Ein paar Eindrücke von anderen Ländern:

Eat Local Challenge in Dakar – Senegal (links), Salamis – Griechenland (mitte), Komi Kebir – Cyprus (recht) (© Sokhna Lissa Laye, ©Slow Food Salamis, ©Slow Food Komi Kebir)
Eat Local Challenge in der Türkei (links), Olive Ernte in Palästina (mitte) und Muschlen Sammeln in Marokko (rechts) (© Fareed Taamallah, © Abdellah Sidi Bounouar)

Noch mehr Fotos aus allen Ländern findet ihr auf Facebook.

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Die Eat Local Challenge ist Teil der internationalen Slow-Food-Kampagne Menu for Change – mit Genuss und Verantwortung gegen den Klimawandel. Slow Food stellt im Zuge der Kampagne das Thema Klimawandel ins Zentrum der Vereinsarbeit, um ein Bewusstsein über die Dringlichkeit des Themas zu schaffen und zur Aufklärung von Verbrauchern beizutragen. Die weltweite Landwirtschaft ist ein direktes Opfer der Folgen des Klimawandel. Gleichzeitig zählt sie durch ihr Wirken auch zu den Hauptverursachern – die industrielle Fleischproduktion ist alleine für ein Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Schließlich finden sich aber auch genau dort, auf den Feldern und in den Ställen, viele gute Lösungen, um der Krise entgegenzutreten. Slow Food möchte auf internationaler Ebene mit verschiedenen Aktionsformaten auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landwirtschaft hinweisen.

Von 16. Oktober – 5. November konnten Teilnehmer*innen der Eat Local Challenge folgendes Versprechen liefern:

Ich verspreche, ab dem 16. Oktober:
Zwei Mahlzeiten die Woche zu essen, die vollständig aus lokalen Zutaten/traditionellen Sorten aus meiner Region bestehen
Nur Freilandfleisch von Tieren aus meiner Region zu essen
Min. 1x die Woche meine Lebensmittel von örtlichen Bauern zu beziehen
Nur Lebensmittel zu essen, die in einem Umkreis von 300 km angebaut oder gezüchtet wurden

Die Kampagne geht jetzt weiter mit der 2. Mitmachaktion: Rezepte für eine bessere Zukunft und den MeatlessMonday.