Hintergrundinfos

5 Gründe, unseren Boden zu schätzen und zu schützen

Boden ist Ernährungssicherheit

95% unserer Lebensmittel werden direkt oder indirekt vom Boden erzeugt (FAO).

Boden ist nicht erneuerbar

Ein Zentimeter fruchtbarer Boden entsteht in 200 bis 2000 Jahren.

Wenn der Boden falsch und zu intensiv genutzt wird, verliert er seine Funktionsfähigkeit und degradiert. Schätzungsweise 20 bis 25 Prozent aller Böden weltweit sind bereits davon betroffen und jedes Jahr verschlechtern sich weitere 5 bis 10 Millionen Hektar. Das entspricht in der Größenordnung der Fläche Österreichs (8,4 Millionen Hektar) (Bodenatlas 2015, Heinrich Böll Stiftung).

Boden kann das Klima retten

Der Bodenhumus speichert drei Mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre oder alle lebenden Pflanzen und Tiere zusammen. Wenn wir den Bodenhumus pflegen, kann der Boden daher Kohlenstoff aufnehmen und den menschengemachten Klimawandel abschwächen.

Wenn wir aber Böden nicht schützen, kann das andererseits katastrophale Auswirkungen für das Klima haben. In Europas Böden sind etwa 70 bis 75 Milliarden Tonnen organischer Kohlenstoff gebunden, was einer Menge von 275 Mrd. Tonnen CO₂ entspricht. Würden nur 0,1 % des im Boden gebundenen Kohlenstoffs in Europa freigesetzt, würde dies der jährlichen Emission von 100 Millionen Autos entsprechen (People 4 Soil Broschüre).

Boden ist Wasserspeicher

Wasser wird durch Adhäsions- und Kapillarkräfte gegen die Schwerkraft gehalten – ein Boden kann bis zu 200 Liter pro Kubikmeter speichern und Pflanzen auch dann noch mit Flüssigkeit versorgen, wenn es länger nicht mehr geregnet hat. Das Porenvolumen eines Bodens ist abhängig von der Größe der mineralischen Bodenpartikel, dem Humusgehalt und der Durchwurzelung sowie der Aktivität der Bodenlebewesen (Bodenatlas 2015, Heinrich Böll Stiftung).

Die FAO hat z.B. in einer Studie gezeigt, dass Böden ohne Regenwürmer bis zu 90% weniger Wasser aufnehmen können. Der Boden spielt außerdem eine zentrale Rolle im Wasserreinigungsprozess.

Boden ist Biodiversität

Der Boden beherbergt unter unseren Füßen eine Biomasse von umgerechnet 20 Kühen pro Hektar. Schon in einem Teelöffel guten Bodens sind mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Bodenschutz bedeutet daher auch Bewahrung der Biodiversität.

Die Mikroorganismen und die größeren Organismen (Regenwürmer, Käfer…) sind unabdingbar für einen lebendigen Boden und alle Lebewesen auf der Erde. Sie wandeln die organische Masse in Nährstoffe um, strukturieren und lockern den Boden auf, so dass der Boden besser Wasser und Gase speichern können.

5 Gefahren, die unseren Boden bedrohen

Boden und Massentierhaltung

Viele Tiere produzieren viel Gülle. Zu viel von der ammoniakreichen Gülle, die als Dünger auf den Feldern verteilt wird, bringt bestehende Ökosysteme durcheinander, schädigt Pflanzen, verdirbt das Grundwasser und lässt den Boden sauer werden.
Repräsentative Grundwasserproben zeigen, dass die Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser von 50 Milligramm je Liter besonders oft in Regionen mit hoher Viehdichte überschritten werden. In rund 15 Prozent der Grundwasser-Messstellen wird der Nitrat-Grenzwert der Trinkwasserverordnung überschritten (Fleischatlas 2013 – Heinrich Böll Stiftung).

Boden und Flächenverbrauch

Industrielle Landwirtschaft, insbesondere Nutztierhaltung, beansprucht viel Landfläche, um Futtermittel anzubauen. Der UN-Weltagrarbericht schätzt, dass die Nutztierhaltung heute 70 Prozent der globalen Äcker und Weiden beansprucht (Fleischatlas 2014, HBS).
Viele von diesen Flächen befinden sich allerdings nicht im Europa. 10 Millionen Hektar Ackerland in Afrika wird für den Verbrauch in EU-Ländern genutzt. Diese Landfläche ist potentiell ausreichend, um mehr als 65 Millionen hungernde Menschen zu ernähren (People 4 Soil Broschüre – Yu et all).

Boden und industrielle Landwirtschaft

Auf etwa 15 % der landwirtschaftlichen Fläche der EU findet man zu viel Nitrat aus zu hoher Kunstdüngerausbringung. Außerdem haben geschätzte 36 % der europäischen Böden aufgrund des Einsatzes schwerer Maschinen und Geräte eine hohe oder sehr hohe Anfälligkeit für Bodenverdichtung (People 4 Soil Broschüre).
Industrielle Landwirtschaft ist einer der Gründe dafür, dass unsere Böden in Europa und weltweit in Gefahr sind. Große Monokulturen, Pestizide und synthetischer Mineraldünger sowie schwere Maschinen tragen dazu bei, immer die gleichen Nährstoffe aus dem Boden anzuzapfen, Mikroorganismen im Boden zu beeinträchtigen und den Boden zu verdichten.

Boden landet viel zu oft im Müll

Erzeugte, aber nicht verzehrte Lebensmittel („Abfall“) verbrauchen fast 1,4 Mrd. Hektar Land, was fast 30 % der weltweiten Landwirtschaftsfläche entspricht oder einer Fläche größer als Kanada gleichkommt (FAO).

Boden und Umwidmung

Städte werden immer größer, Straßennetze breiten sich aus, Flughäfen werden gebaut. Es gibt viele Gründe, warum fruchtbare Böden mit Asphalt versiegelt werden und für immer verloren gehen.
Umwidmung der Landnutzung in Europa ist die Hauptbedrohung für fruchtbare Böden: über eine Million Hektar wurden seit 1990 unrettbar der Landwirtschaftsnutzung entzogen. Das sind täglich umgerechnet mehr als 500 Fußballfelder, die nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen.
Der Verlust von möglicher Lebensmittelproduktion aufgrund von Landumwidmung in Europa für die Zeit von 1990 bis 2006 wird auf 6,1 Millionen Tonnen Weizen geschätzt, was einem Sechstel der jährlichen Ernte in Frankreich entspricht (People 4 Soil Broschüre – Gardi et all).

10 Dinge, die du sofort tun kannst, um den Boden von morgen zu schützen.

1. Unterschreibe die Bürgerinitiative People4Soil auf https://www.people4soil.eu/de und hilf dabei, die Böden auf EU-Ebene zu schützen.

2. Gemeinschaftsgärten, Guerilla Gardening… Säe, pflanze und bringe Leben in den Boden, schaffe damit einen lebendigen und fruchtbaren Boden. Jede Brachfläche, jeder Randstreifen, jedes Fleckchen Erde sollte begrünt sein.

3. Mache deinen eigenen Kompost und gib dem Boden wieder, was du ihm nimmst. Ob Kompostklo, Bokaschi, Wurmkompost oder auch die Biotonne. Organische Masse gehört in den Boden und nicht in die Müllverbrennungsanlage.

4. Unterstütze die Bäuerin, den Bauern in deiner Nähe. Kaufe auf dem Markt, vom Hof oder unterstütze ein Solidarische Landwirtschaft Projekt. Denn nur kleinbäuerliche Landwirtschaft kann an die Umwelt angepasst wirtschaften und garantiert souveräne Ernährungssysteme.

5. Weniger ist mehr: Trinke Weidemilch, iss Fleisch aus Weideviehhaltung. Es schmeckt besser, unterstützt den Humusaufbau unter Dauergrünland (da der Boden hier nicht gepflügt wird und deswegen ganzjährig bedeckt und mit Wurzeln durchdrungen ist), belastet den Boden weniger mit Dünger als intensive Haltung und verbraucht kaum extra Ackerfläche für Futtermittel. Weiden binden auch mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre und schönen dabei die Umwelt und das Klima.

6. Pflanze einheimische Bäume und iss alte einheimische Gemüse- und Obstsorten. Sie sind besser an den Boden angepasst und können zu außergewöhnlichen, spannenden Gerichten zubereitet werden.

7. Löwenzahn, Brennnessel, Giersch… Lerne, welche Unkräuter du verwenden, kochen und essen kannst, anstelle sie totzuspritzen.

8. Iss Biobananen, denn ökologische Landwirtschaft in den Tropen bewahrt den Humus.

9. Erkundige dich, ob deine Bank von Landraub und Nahrungsmittelspekulationen profitiert und wechsele eventuell dein Konto.

10. Erzähle anderen davon.

 

Mehr Infos unter: https://www.people4soil.eu/de, https://issuu.com/people4soil/docs/dossier_web_de und http://bodenbegreifen.de/lebensgrundlage-boden/